Sich dem Unterbewusstsein absichtslos ausliefern- kein Denken, kein Bewerten, kein Golfen. Pure Bewegung. Übung.

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NEUE GOLFBÜCHER

Es wird jetzt langsam Zeit das Thema Golfbücher aufzugreifen, zumal ich seit 25 Jahren im Buchhandel tätig bin.
Als gelegentlicher Bezieher anglo-amerikanischer Golfliteratur bekomme ich von einem großen Internetkaufhaus per e-mail dann in unregelmäßigen Abständen dezente Hinweise auf Golfbücher, die meine bisher bekundete Neugierde befriedigen könnten.
Einige Beispiele dieser teilweise obskuren Auswahl, die man für mich trifft, möchte ich euch nicht vorenthalten.



1. "Bondage Golf" von Marquee D. Sade


Für sexuell extravagant Veranlagte sicher eine durchaus verlockende Herangehensweise weiter und länger zu werden. In wie weit man aber seine bevorzugte Domina mit auf eine Turnierrunde wird mitnehmen können, bleibt mir dann doch noch verborgen.


2. "The Art of Club Throwing" von Thomas D. Bolt



Ein Klassiker des "anger managements" auf dem Golfplatz. Autor Bolt geniesst Legendenstatus, begründet durch unzählige Anekdoten, von denen eine zum Staunen und Lachen animierende Auswahl in diesem schmalen Band versammelt wurde. Allein das Vorwort vom "Walrus" soll sein Geld schon wert sein.

 

3. "Skeleton Golf" von Dr.Phineas Lowcarb



Beim googlen nach Dr. Lowcarb, dessen Konzept nicht ganz stringent zu sein scheint, fiel auf, dass der liebe Herr Doktor sich anscheinend zu diesem Machwerk durch seine Tätigkeit als Diätexperte junger Hollywoodgrößen hat inspirieren lassen. Den Fotos und Angaben nach bringt Dr. Lowcarb momentan höchstens 90 Pfund auf die Waage und spielt ein Hcp von 12.

 

4. "Pride & Prejudice" und 5. "Sense & Sensibility" von Mike Austen





2 Reprints des in Schottland geborenen und Anfang des 20. Jahrhunderts nach Nordamerika ausgewanderten Austen. Berüchtigter Schwerenöter und Zocker, schildert Austen in diesen beiden Klassikern sowohl wie er reichen englischen Adligen und amerikanischen Magnaten durch Abschliessen immer absurderer Wetten das Geld aus der Tasche zieht, als auch wie er durch die Betrachtung der eleganten und mühelosen Bewegungen der Damen zu seinem später legendären Schwung kommt.



6. "Levitational Golf" von Nick Proudfoot


Wenn jemand der "Stolzfuss" heisst durch das Schweben über den Golfplatz bessere Scores verspricht, neige ich dazu - bei aller Toleranz und Neugierde gegenüber neuen Ansätzen, die das Golfspiel erleichtern sollen- dieses Machwerk nicht näher zu studieren. Zumindest soll durch konsequent angewendetes "floating" die Spieldauer auf unter 3 Stunden gebracht werden können.

 


7. "How to analyze your swing to death" von Nick van Stolterfoht


Der Autor weiss als einer der Mitentwickler moderner Golfschwunganalysesoftware (Y2) wovon er schreibt. Dieses Buch ist an alle Winkel- und Vektorenfetischisten gerichtet, denen es nicht reicht vom lokalen Golflehrer die Anweisung zu bekommen, locker zu schwingen.
Das Buch lebt von der trockenen, wissenschaftlichen Sprache und lüftet auf unsentimentale Weise das eine oder andere Schwunggeheimnis.

 

 

8. "Short Stick" von Dr. Niclas Snoopenfort

Bücher über das Putten, des Golfspiels kleinen Stiefbruder, erfreuen sich selten besonderer Wertschätzung und gesteigertem Interesse. Snoopenfurt, der laut Klappentext stolze 2,03m misst, hat, des Verlängerns seines Putterschaftes letzlich überdrüssig, in Jahre langem Selbstversuch herausgefunden, dass es durch die im Titelbild dargestellte Haltung dem leidenschaftlichen Golfer möglich ist bis ins hohe Alter mit Hilfe von hochdosierten Schmerzmitteln mit weniger als 40 Putts über die Runde zu kommen. Mit 20 Röntgenaufnahmen. Nur für Puttfreaks und Physiotherapeuten zu empfehlen.

 

 

9. "Be your own mental guru" von Rev. Sri Nick


Bücher, die sich der (Golf)Psyche widmen, wecken bekanntlich meine besondere Neugierde und wenn sie noch dazu Hcp Verbesserungen von 10 Schlägen versprechen, bin ich Feuer und Flamme.
Nach mühsamer Recherche lässt sich über den Autor nur berichten, dass dieser ein ehemaliger, erfolgloser NationwideTour Spieler war, der sich nach Beendigung der Karriere in den 90er Jahren als presbyterianischer Wanderprediger im Mittleren Westen versuchte und Anfang des 21. Jahrhunderts im Death Valley auf einen nordkoreanischen Zenmönch traf, der ihm zum golferischen Satori verhalf. Durch glückliche Fügung lernte er Richard Gere kennen, der ihm Zugang zu Hollywoodgrößen ermöglichte, denen Rev. Sri Nick, wie er sich nun nennt, durch Verabreichung von Schlägen seines gefürchteten 60° Cleveland Lobwedge, zu absichtslosem Tun im Hier und Jetzt und Handicaps um 10 verhalf.
Das Buch selbst scheint laut Inhaltsangabe in erster Linie den Fokus auf die Biographie des Autors zu legen. Zu den mentalen Tricks gibt es auf Seite 203 nur den Hinweis auf die Möglichkeit Wochendseminare mit dem Meister in Palm Springs zum Schnäppchen Tarif von US$ 7000,- buchen zu können. (www.srigolf.com)

 

 

10. "Monkey Golf" von N.J.Stoltentrott


Stoltentrott, passionierter Golfer und anerkannter Primatenforscher, wurde zufällig auf die Idee gebracht seine golferische Passion mit seinem Forschungsgebiet zu verbinden. Als er eines Tages sein Golfbag mit ins Labor nahm, beobachtete er wie seine beiden Schimpansen Augusta und Boo seine Schläger und Bälle entwendeten und ihm darauf mit spielerischer Leichtigkeit und Unbekümmertheit zeigten wie einfach der Golfschwung in seiner natürlichen Bewegung sein kann. Alle Erkenntnisse über Griff, Ansprechposition und kinematischer Kette müssen laut Stoltentrott ab sofort neu definiert werden.
Der Golfchannel möchte ihn für eine 12 teilige Serie mit Charles Barkley zusammenbringen, um diesem mit Stoltentrotts revolutionären Übungsreihen endlich zu einem wiederholbaren natürlichen Schwung zu verhelfen.

 


Alles in allem ist es erstaunlich was sich Wissenschaftler, Dilettanten, Visionäre und Golfverrückte einfallen lassen, um uns Leidende von unseren Depressionen, Schimären, fehlgeleiteten Ambitionen und überzogenen Erwartungen zu heilen.
Den einen oder anderen Titel werde ich mir sicher bestellen.

Ich wünsche alle meinen Lesern eine lustvolle neue Saison 2010 (wenn sie denn nun endlich beginnen möge)

SPEED KILLS

Sie genießen Turnierrunden, die mindestens 5 1/2 Stunden dauern? Sie lieben Flightpartner, die vor jedem auszuführenden Schlag 5-8 Probeschwünge absolvieren und 10x vor jedem Schlag waggeln? Sie bewundern Mitspieler, die die hohe Kunst des akribischen Abschreitens der Distanz des zu spielenden Schlags beherrschen? Sie himmeln Golfer an, die vor einem 2m Bogeyputt minutenlang, geradezu in Trance verfallen, die Grünbeschaffenheit erkunden? Sie beneiden erfahrene Golfer, um ihre Fähigkeit, Birdiebooks vor dem Schlag ausgiebig zu studieren, um dann das Grün mit dem Eisen 8 um 15m zu überschlagen?

Dann müssen sie mit mir eine Turnierrunde spielen!

Ich versetze meine Mitspieler und die nachfolgenden Flights sowie anwesende Marshalls durch meine gewissenhafte Schlagvorbereitung meiner ca. 82 Schläge und Putts in euphorischen Hass. Man kennt mich unter meinem „nome de guerre“: Quick Nick.Zur Vorbereitung eines Turniers, bei dem es mir möglich erscheint mein Handicap zu verbessern, vermesse ich bereits Wochen vorher in frühmorgendlichen Trainingsrunden den Platz mit Hilfe meines Bushnells Laser Entfernungsmessgerät. Eventuelle Neigungen der Fairways in den zu erwartenden Landezonen meiner Abschläge werden punktgenau notiert. Die Grüns werden penibel inspiziert, detailgenaue Skizzen angefertigt, damit jeder Schlag ins Grün an den sicheren Seiten platziert werden kann. Nachdem in den frühen Morgenstunden meistens Greenkeeper auf dem Platz angetroffen werden können, werden diese nach der jeweils verwendeten Grassorte für Fairways und Grüns befragt. Für jede Spielbahn werden die vermeintlich zu spielenden Schläger ins Auge gefasst. Als Gameplanner in bester Langerscher Tradition versuche ich während der Turnierrunde von keiner Situation unvorbereitet überrascht zu werden.
Nach 10 Jahren Golferdasein bin ich stolzer (und von vielen beneideter) Besitzer von ca. 60 solcher detailgenauer „Birdiebooks“. Wobei ich, bezogen auf meine momentane Spielstärke, eher von „Parbooks“ sprechen möchte.

Sollte sie nun schon den Wunsch verspüren, mit einem Strategiepedanten wie mir spielen zu wollen, da sie zu der zunehmenden Schar von Golfern gehören, die Zeit für und Liebe zum Spiel mitbringen, möchte ich ihnen nicht vorenthalten was sie auf einer gemeinsamen Runde erwarten wird.

Nach ritualisierter Aufwärmphase auf Driving Range und Übungsgrün und dem unerlässlichen Autogenen Training vor dem 1.Abschlag (dass ich mich intensiv mit mentalem Training auseinandersetze, sollte für sie die logische Konsequenz meiner perfektionistischen Herangehensweise sein), trage ich mein Bag, dass logischerweise einen Satz perfekt auf meinen Schwung und Körpermasse gefitteter Custom-made Schläger beherbergt, ruhigen Schrittes zum 1. Tee.
Nach knapper aber freundlicher Begrüßung, beginnt nun die gewissenhafte Umsetzung meines Gameplans. Die Windrichtung wird mehrmals geprüft, das Zwischenziel vor dem Ball mehrfach penibelst angepeilt, einige Waggles vor dem Abschlag lockern nochmals die Muskeln der Arme und Hände, um dann einen leicht gehookten Ball ca. 220m weit ins linke Rough zu befördern. Für den nächsten Schlag nehme ich mir die Zeit so viele Probeschwünge zu machen, bis ich mir sicher bin, mit welchem Körpergefühl und welcher Ballflugkurve der Ball sein gedachtes Ziel erreichen soll. Dass die Windrichtung einige Male durch Rauszupfen von Fairway- oder Roughgras kontrolliert gehört, muss ich wohl nicht betonen. Dann wird mit dem imaginären Caddie die in Betracht gezogene Strategie kurz besprochen, dann noch ein prüfender letzter Blick auf das Birdiebook geworfen und die Entscheidung aus 128m doch ein E7 mit 80%iger Schwungdynamik 5m in die Welle hinter der Fahne zu schlagen, ist gefällt.
Nach 4-5 Löcher haben werden sie nun, eine mögliche Disqualifikation in Kauf nehmend, das Sekretariat per Handy anrufen, um den Marshall herbeizurufen, der mich auf Loch 8 dann beiseite nimmt und mir mit polizeilichem Gehabe mitteilt, dass er mich auf die Uhr genommen hat. Dank meiner beneidenswerten Fähigkeit durch Abschreiten der Grüns und ihrer Umgebung von allen Seiten, die Konturen der Grüns zu erfassen, spule ich stoisch unter den bewundernden Blicken meiner Flightpartner meine gesavten Pars und unglücklichen Bogeys herunter. Nach Loch 9 verzehre ich dann meistens alleinsitzend die Halfwaykost. Nachdem mich die angewiderten Blicke des nachfolgenden Flights ermahnen zu Loch 10 zu hetzen, lasse ich es mir dennoch nicht nehmen, meine Flightpartner nach dem Abschlag daran zu erinnern unsere Gehgeschwindigkeit zwischen den Schlägen zu erhöhen. Nach durchschnittlich 5 ½ Stunden, kurzer Verabschiedung und der folgenden kommentarlosen Scorekartenabgleichung, finde ich mich dann meistens allein auf der Terrasse des jeweiligen Clubs sitzend, mit nachdenklicher Miene meine Rundenaufzeichnungen studierend und darüber sinnierend, warum auf Loch 12 trotz perfekt umgesetztem Gameplans, der Bogeyputt ausgelippt ist. Meine Statistik sagt mir, dass ich 6 GIRs hatte, 10 Fairwaytreffer und nur eine durchschnittliche Puttleistung von 31 Putts zu Stande gebracht habe. Die Par 5s in 2 unter, die Par 4s in 8 über und die Par 3s in 2 über lassen mich nachdenklich werden, ob ich mich in der Woche vor dem Turnier genug meiner mittleren Eisen gewidmet hatte. Bei der Siegerehrung nehme ich dann demütig meinen Preis für den 3. Platz Netto mit 36 Punkten entgegen. Warum klatscht eigentlich nie jemand? Meistens merke ich dann immer wieder, dass ich mir mit meiner Entscheidungsfindung mehr Zeit hätte nehmen müssen. Hudeln bringt eben nichts beim Golf.

PHASEN MEINER LEIDENSCHAFT

Ich begann meine Golferlaufbahn zufälligerweise im Alter von 40 (nachdem ich eigentlich erst frühestens mit 50 anfangen wollte) mit der „Hey, was erzählen denn die Leute? Golf ist doch nicht schwer“ Phase. Nach 12 Turnieren und mühelos erreichten Hcp -20, glitt ich reibungslos in die „Mit 50 spiele ich auf der ChampionsTour“ Phase. Danach kam die „Golfdigest und 20 andere Golfzeitschriften im Monat“ Phase. Mit 43 begann die sehr deprimierende „Ich muss weniger an Golf denken, sonst lässt sich meine Frau scheiden“ Phase. Diese wurde begleitet von der „Jeden Samstag/Sonntag beim Bügeln das vergangene PGATour Turnier auf CNBC ansehen“ Phase. Sie mündete sehr schnell in die „Ich zahle meinem Therapeuten € 100,-/50min und erzähle ihm dann nur von Golf“ Phase. 1 ½ Jahre und 3600 Euro später begann dann glücklicherweise die „Sie brauchen mich nicht mehr, denn sie therapieren sich ja am Golfplatz“ Phase, wodurch ich mir dann 4 Runden mehr im Monat leisten konnte. Nach 4 Jahren Stagnation bei Hcp -12, trotz zehntausender Übungsschwünge auf der Range, kam die ernüchternde „Das mit der ChampionsTour wird wohl doch nichts“ Phase. Diese wurde dann abgelöst von der „6 Jahre 30m slicen ist genug“ Phase. Mit Hcp -10 und seit Jahren praktiziertem Gefühls- und Intuitionsgolf, ging der Wahnsinn aber erst richtig los, denn die „Ich muss endlich Schwungtechnik verstehen“ Phase begann. Spät aber doch! Natürlich wartete ich die ganzen Jahre gespannt wann die “Material ist wichtig, um Single-Handicapper zu werden“ Phase beginnt. Zum Leidwesen von Herstellern, Golfshops und Clubmakern kam sie bis heute nicht. Mit zunehmendem Technikwissen und einem dezenten rechts-links Ballflug mit den Eisen fühlte ich mich bemüßigt auf der Driving Range meine hackenden Nachbarn mit der „Darf ich sie fragen, was sie seit 2 Stunden und 6 Körben Bälle mit ihren Schlägern aufführen“ Phase zubeglücken. Schnell befand ich mich in der „Wie haben sie das geschafft? Wahnsinn, ich hab den Ball mit dem E7 in die Luft und 120m weit geschlagen! Sind sie Golflehrer? Nein? Dann darf ich Sie aber zu einem Getränk einladen?“ Phase. In den letzten 3 Saisonen wurde es dann wieder ganz spezifisch mit folgenden kurzen Phasen. Zuerst begann die „Ich schieb jeden 50cm Putt rechts daneben“ Phase. Dann die „Ich kann auf der Runde einfach nicht chippen“ Phase. Die bis heute wiederkehrende „Kann ich endlich mal ohne Strafschläge ein Turnier beenden!“ Phase. Momentan befinde ich mich in der „Was soll es! Es ist doch nur ein Spiel und ich spiele diese Saison eine Parrunde“ Grandiositätswahnphase. In den 10 Jahren Golf gab es noch Subphasen wie: „Warum habe ich nicht schon mit 10 Jahren begonnen Golf zu spielen, dann wäre ich heute ein reicher Mann?“ Diese Phase ging aber Vernunft gesteuert parallel mit der „Ich bin ja die gleiche Generation wie Ballesteros, Faldo, Langer, Woosnam, Lyle! No chance!“Phase Die „Mizuno Blades sind geil!“ Phase. Die „Ich muss ins Fitness Studio“ Phase. Die „Das Geld liegt auf den Driving Ranges: Ich werde Golflehrer“ Phase Die „Ich werde nie mit dem Driver einen Draw zusammenbringen“ Phase Die „Es gibt keine negativen Gefühle“ Phase Die „Mit Zen-Meditation zum Scratchgolfer“ Phase

DER "EIGENTLICH" GOLFER

Ein schöner Sonntag, Monatsbecher. Der zu erwartende Bruttosieger Flight startet um 9 Uhr mit Viktor, einem jugendlichem Golfgymnasiasten Hcp -5 auf dem Weg zum Scratchgolfer Mir, dem Bunkerdude, der Typ empathischer Intellektueller mit Hcp -9, Benutzer eines schon aus der Mode gekommenen RAM FX-Tour Eisensets und komplett verrosteter und abgenutzter Cleveland 588 RTG Wedges. Komplettiert wird der Flight durch einen Clubfremden, Paul, ca. Mitte 30 Hcp -12 (auf der Range bereits als dynamisch und technisch beschlagen erkannt), dessen Bag einen TM Burner Driver, einen Satz Mizuno MP-Soundso Eisen, Vokey Wedges und den obligatorischen Scotty Cameron Newport XYZ Putter beherbergt. Beim Begrüßungslüften seiner Kappe, kaschiert die modische Glatzenfrisur seinen fortschreitenden Haarausfall. Viktor, der über latentes Vertrauensdefizit in seine Driverfähigkeiten klagt, optiert fürs Holz 3 und knallt seinen Ball knapp neben die rechte Outgrenze, wahrscheinlich noch kanpp in. Ich befördere den Drive mit bemühter Lässigkeit ins Out, mit schelmischen Grinsen kommentiert. Paul drived nach gewissenhafter Vorbereitung seinen Ball („ich spiel einen Titleist 3 mit roten Punkten“) mittels Powerfade ca. 230m Mitte Fairway. Bunkerdude: „Sehr schöner Drive, wenigstens ist einer von uns am Fairway!“ Paul: „Eigentlich schlage mit dem Driver Draws auf 250-260m.“ Soso. Ich schlage einen nach - Mitte Fairway. Viktor haut mit PW den Ball sicher aufs Grün. Mein E6 lasse ich zu kurz und Paul hookt sein E8 links vom Grün. „Eigentlich kommt mein Draw mit den Eisen verlässlich.“ Soso. Ich pitche aufs Grün und 2 putte zur 7. Viktor, schon am 1. Loch von Verzweiflung gebeutelt, 3 puttet zur 5. Paul chipt und puttet zur 4. Auf dem Weg zum nächsten Abschlag tauschen Viktor und ich einen von mildem Lächeln begleiteten, vorahnungsvollen Blick aus, während Paul hinter uns seinen missratenen Eisenschlag lautstark Revue passieren lässt. „Eigentlich. .“ Auf Loch 2 pusht Paul seine Annäherung neben das Grün und verlautbart, dass er „eigentlich ja seine Eisen drawed“. Fassungslos trottet er Richtung Grün, chipt und 2 puttet zur 5. Beim langen Weg zur 3 vernehmen Viktor und ich wie Paul seinen nicht gedrawten Abschlag kommentiert. „Das gibt’s doch nicht, der Draw kommt einfach nicht.“ Soso. Auf dem Par 3 von Loch 3 schlägt Paul ein leicht gehooktes E6 in den Grünbunker. „ Der Draw kommt nicht, eigentlich kann ich den konstant.“ Soso. Man spielt ausnahmslos das Par. Das 1. Par 5. Viktor pusht sein Holz 3 ins Out, Paul duckhooked seinen Drive in die tiefe Wolle des Roughs, “ Wo ist der verdammte Draw? Eigentlich kann ich den konstant “ Soso. Ich habe meinen gelassenen Rhythmus gefunden und drive 240m Mitte Fairway. Paul hackt seinen Ball weiter ins Rough und liegt dann mit dem 3. endlich am Fairway und hat noch 170m zum Loch. Nach einem erneuten gehookten Fairwayholz in den Grünbunker, folgte ein getoppter Ball, „Eigentlich kann ich Bunker gut“, nimmt er frustriert nach Chip und zu kurzem Putt seinen Ball auf. „ Gibts das denn, Par 5s spiele ich eigentlich Birdie.“ Soso. Auf der 5 verschiebt Viktor nach grandiosem E7 den Birdieputt aus 80cm. Ich spiele solides Par, Paul aus dem Bunker das Doppelbogey. Paul erzählt von seinen Heldentaten vom vergangenen Freitag, wo er im Westen des Landes ein Turnier mit 9 über bestritten hatte. „Eigentlich spiele ich ja im Moment so zwischen 3-6 über“. Soso. Er liegt nach 5 Löchern 6 über. Viktor, noch seinen verschobenen Tap-In im Hinterkopf, nimmt zu meinem Erstaunen den Driver auf der 6 in seine zittrigen Hände und hookt seinen Ball vermeintlich ins Out, gefolgt von einem kraftvollen, von Selbsthass genährten Hieb auf den wehrlosen Abschlag. Nachdem ich nun völlig von der Mühelosigkeit meiner Drives überzeugt bin, haue den Abschlag perfekt aufs Fairway. Paul fadet seinen Abschlag Mitte Fairway, „Wo ist der verdammte Draw“, Viktor liegt noch in und spielt wie Paul und ich ein unspektakuläres Par. Die 7 wird „eigentlich“ ohne außergewöhnliche Vorkommnisse absolviert. „Eigentlich“ schade. Das mit 2 guten Schlägen erreichbare Par 5 der 8, ist ja „eigentlich“ ein Birdiemuss für Paul aber er verzieht seinen Drive nach rechts in Richtung Wald. „Wo ist eigentlich mein Draw?“ Ich kann mir beim Gehen ein “Der liegt jetzt, als Slice getarnt, noch spielbar, knapp am Waldrand“, nicht verkneifen, und 3 Eisenschläge und 2 Putts später kann sich Paul nicht beherrschen den schon zu erwartenden Kommentar zu seinem ja sonst brillanten Eisenspiel abzugeben. „ Eigentlich bin ich ja sehr lang mit meinen Eisen.“ Soso. Viktor und ich spielen unsere Pflichtbirdies. Auf der 9 dann die erste echte Verzweiflungsattacke von Paul nach einem satten,geslictem Abschlag 200m ins Rough. „Wo ist eigentlich mein Draw?“ Viktor und ich mitten am Fairway. Paul nudelt sich mit 3 weiteren Schlägen aufs Grün, auf dem die beiden anderen nach dem 2. Schlag bereits liegen. Glanzlose Pars für Viktor und mcih. Ein vernichtendes Doublebogey für Paul. Fazit nach 9 Loch: Viktor 2 über, ich 4 über, Paul 9 über: aber „eigentlich“ …… Nach 2 Stunden fühlt sich Viktor „eigentlich“ schon als Scratchgolfer und ich mit meinen 50 Jahren „eigentlich“ reif für die Champions Tour. Nach dem alle 3 ordentliche Abschläge auf dem Fairway platziert haben, meint Paul zu mir, dass er ja wohl „eigentlich ein Drawer mit dem Driver wäre“. Hatten wir das nicht schon? Ich: „ Du jammerst ja auf hohem Niveau, 230m Mitte Fairway und nicht zufrieden?“ Nach verunglückter Annäherung und einem bescheidenen Chip „ Eigentlich chippe ich normalerweise tot an die Fahne“ und 2 Putts zum Bogey, beschließen Viktor und Ich nun Paul sich selbst zu überlassen. Vor dem Abschlag auf der 11, einem Par 5 mit guter Birdiechance, moniert Paul, dass er „eigentlich schon lange nicht so viele Boogies gespielt hätte“. Viktor schaut ihn an, als wenn er gleich Woogie mit ihm tanzen wollte. Alle das Par. Die 12, das längste Par 4 am Platz, ist wohl nach dem Geschmack des „eigentlich“ Longhitters Paul, aber „der Draw kommt einfach nicht.“ Soso. Viktor und ich eilen jetzt 20m voraus, um dem inzwischen lästig gewordenen Lamento zu entgehen. Keine Chance! Unüberhörbar schallt es in deren Nacken. „ Mensch, eigentlich kann ich doch…. .“ Der „Eigentlich-Golfer“ ist ein Wanderer zwischen den Welten. Da liegt die Wirklichkeit der gehookten, geslicten, gepushten und gepullten Bälle vor ihnen, findet aber keinen Platz in der jenseitigen Welt ihrer imaginierten Schläge. Er lebt nur in der Erwartung von grandiosen Abschlägen, die die Fairways, wie Moses das Rote Meer, teilen. Er schlägt seine imaginären Eisen in unerforschte Weiten, saved seine Bunkerlagen mit profihaften Schlägen und imaginären „Dead-Center“ Putts. Seine „Rettungsschläge“ sind eines Tourprofis ähnlich, seine Ballflugkurven wie von Künstlerhand gemalt. „Eigentlich“ kann er ja alles. „Normalerweise….“ Das das „Eigentliche“ am Platz vor seinen Augen liegt, die Normalität eher banal ist, entgeht ihm in seinem überhöhten Streben nach Perfektion. Die Unfassbarkeit und Unannehmbarkeit dieser Wirklichkeit muss durch verbale Intervention ins Imaginäre zurückgeholt werden. Dabei fühlt er sich bei seinem offensichtlichen Scheitern wohl und beschützt. Der GAEGA (Größte Anzunehmende Eigentlichgolfer Anfall) tritt immer dann ein, wenn ein „Eigentlich-Golfer“ mit gestandenen, in der Golfrealität verwurzelten Singlehandicappern eine Turnierrunde spielt. Dann ist sein imaginäres Golf voll gefordert. Denn „eigentlich“ gehört er ja auch dem erlauchten Kreis an. Loch 12 brachte ein „Boogie.“ Ich konnte mein solides Spiel zum Grün mit einem 3 Putt nicht belohnen. Viktor mit solidem Chip und Putt zum Par. Paul verzieht den Abschlag auf der 13, „ Wo ist mein..“ schallt es den beiden davoneilenden Mitspielern hinter her. Doppelboogie für Paul, 3 Putt Bogey für Viktor und ich verschiebe meinen 5. Birdieputt in Folge. Loch 14, ein langes Par 3, wird belanglos abgewickelt. Erwähnenswert ist nur das trocken gespielte Birdie von Viktor (hat er sich endlich verdient) und dass es das 1. kommentarlos verlassene Grün auf der Runde von Seiten Pauls ist. Das letzte Par 5 am Platz, Birdiechance lauert wieder, aber Paul sliced den Ball, dem er den schon vertrauten „Das kann doch nicht wahr sein, eigentlich drive ich doch Draws..“ Kommentar folgen lässt. Ich loche, nach einem verlässlichen Lobwedge an den Stock, das Tap-In Birdie, Viktor nimmt mit Kopfschütteln das Par hin und Paul zaubert ein solides Doppelboogie auf seine Scorekarte. Es folgen kommentarlose Pars auf dem kurzen Par 3 der 16. Nach dem (erraten?) abermals nicht gekommenen Draw von Paul, dringt uns beiden, nach perfekten Abschlägen am Fairway platzierten Bällen und mit schnellen Schritten davon eilend, das inzwischen verfluchte „ Eigentlich kann ich den Draw…“ ins Ohr. Nachdem ich nach verschobenem 4m Birdieputt mit stoischer Gelassenheit mein Par notiere, Viktor das konsequent mit Chip und Putt gerettete Par mit einem Lächeln quittiert, ist Paul nach Doppelboogie nun langsam doch in der realen Welt seiner bisher absolvierten Runde angekommen. Loch 18 bringt noch einen verschobenen Birdieputt zur 77 für mich. Mit solidem 2 Putt beendet Viktor mit 75 Schlägen. Paul hat noch sein Happyend mit einem sauberen Par zur 89. Viktor und ich sind der Meinung, dass sie „eigentlich“ gut gespielt haben, während sich Paul für sein Lamentieren höflich und ausdrücklich entschuldigt. Nach der Runde zieht sich der jugendliche Gewinner der Bruttowertung auf die Range zurück, um seine aktiven Handgelenke zu beruhigen (ein paar Tage später erzaählte er mir, dass er die Schultern nicht genug drehen würde), während Paul mir bei einer Tasse „Latte Machiatto“ von seinen „eigentlich“ guten Längen vom Tee, die er ja „eigentlich“ mit einem Draw erzielt, und von seinen „eigentlich“ und „normalerweise“ sensationellen Längen mit den Eisen vorschwärmt. Ich konnte nicht umhin, dem weiter im Jenseits seines Imaginärgolfs verweilenden Paul, zum Abschied den kryptischen Tipp zu geben, es doch mal mit Baumarkt-Golf zu versuchen. Pauls ungläubiger, fragender Blick wurde mit folgender Bemerkung beantwortet: „Vor dem Schlag sagst du dir: Mach dein Ding! (Hagebaumarkt) und danach singst du: Yappadaya Yippie Yippie Yeah! (Hornbach)“ „Eigentlich“ ist er ja ein netter Kerl.